Eifel-Jagd


"Eifel-Jagd" heißt ein 1998 erschienener Kriminalroman von Jacques Berndorf, in dem ein reales Bauwerk erwähnt wird, das längst vergessen schien. Im Jahr 1955 ließ der damalige AEG-Vorstandsvorsitzende, ein Freund Konrad Adenauers, gemeinsam mit seinem Architekten, einem Schwiegersohn Konrad Adenauers, mitten im Eifeler Kammerwald bei Steffeln eine Villa errichten, die mit 600 qm Wohnfläche als Freundesgabe für den damaligen Bundeskanzler gedacht war. Als diese Verbindungen in der Presse mit dem unschönen Verdacht auf "Filzokratie" aufgegriffen wurden, wurde der Bau nach halbjähriger Bauzeit von heute auf morgen eingestellt und die im Rohbau fertige Bauruine sich selbst überlassen.

 

Seither liegt die Ruine mehr oder weniger im Dornröschenschlaf und verfällt allmählich; Teile der Decken und Wände sind bereits eingestürzt und die Natur hat sich schon wieder innerhalb und außerhalb der Ruine breit gemacht. Den damals angedachten Panorama-Fernblick kann man heute allenfalls noch erahnen, da der hochstehende Wald die Ruine rundherum eingeschlossen hat. Man muss schon sehr nahe an sie herankommen, um sie überhaupt zu entdecken. Erstaunlicherweise wurde der Rohbau weder durch Vandalismus noch durch Abtransport der Baumaterialien zerstört.

 

Noch erstaunlicher finde ich allerdings, dass ich während meiner Eifelzeit nie von diesem Bauwerk gehört hatte, obwohl ich nur gut 15 km davon entfernt aufgewachsen bin. Ich musste selbst erst 60 Jahre alt werden, um im Zusammenhang mit Konrad Adenauers 50stem Todestag - wiederum durch die Presse - auf dieses Bauwerk aufmerksam zu werden und es per Radtour/Wanderung zu erkunden.

 

Hinweis für Fotografen: Es handelt sich zwar um eine klassische "Lost Places"-Location, aber im Vergleich zu anderen verfallenden Bauwerken fehlt ihr etwas: da die Villa nie genutzt wurde, atmet sie keine Geschichte. Ein Besuch - recht beschwerlich - lohnt sich dennoch.